Die Mainstream-Wartung für SAP ECC 6.0 endet am 31. Dezember 2027. Danach haben Sie im Kern drei Wege: die kostenpflichtige Extended Maintenance bis Ende 2030 mit zwei Prozentpunkten Aufschlag, die automatische Customer Specific Maintenance mit deutlich eingeschränkter Unterstützung oder den Umstieg auf SAP S/4HANA, für den Sie die Weichen jetzt stellen sollten.
Stand Ende Oktober 2026 bleiben bis zum Stichtag gut 14 Monate. Das klingt nach viel Zeit, ist es für ein mittelständisches ERP-Projekt aber nicht, sobald man Vorbereitung, Partnerauswahl, Realisierung und Tests rückwärts rechnet. Dieser Beitrag zeigt, was genau endet, welche Optionen Sie haben und welche Entscheidungen die Geschäftsführung jetzt treffen muss.
Was endet am 31. Dezember 2027 genau?
SAP hat im Februar 2020 angekündigt, die Mainstream-Wartung für die Kernanwendungen der SAP Business Suite 7 bis Ende 2027 bereitzustellen. Dazu gehört SAP ERP 6.0, im Alltag meist ECC genannt. Die Zusage gilt laut SAP für die drei neuesten Enhancement Packages. Wer auf einem älteren Stand arbeitet, sollte seinen Release-Stand deshalb zuerst prüfen.
Mainstream-Wartung bedeutet: Sie erhalten reguläre Korrekturen, gesetzliche Anpassungen und Support im vereinbarten Umfang. Mit dem Ende dieser Phase läuft Ihr System nicht über Nacht aus. Es wird aber Jahr für Jahr riskanter, weil Anpassungen an neue gesetzliche Vorgaben und neue Fehlerkorrekturen nicht mehr im gewohnten Umfang kommen.
Gleichzeitig hat SAP die Wartung für SAP S/4HANA bis Ende 2040 zugesagt. Das Ziel ist also klar. Offen ist für viele Unternehmen nur, wann und auf welchem Weg sie dorthin gehen.
Die Fristen im Überblick
| Zeitpunkt | Was gilt | Bedeutung für den Mittelstand |
|---|---|---|
| bis 31.12.2027 | Mainstream-Wartung für SAP ECC 6.0 (neueste drei Enhancement Packages) | Regulärer Support, letzter Zeitraum ohne Aufpreis |
| 2028 bis 2030 | Optionale Extended Maintenance mit zwei Prozentpunkten Aufschlag auf die Wartungsbasis | Zeitpuffer gegen höhere Wartungskosten |
| ab 2028 ohne Extended Maintenance | Automatischer Wechsel in die Customer Specific Maintenance | Nur noch Lösungen für bereits bekannte Probleme |
| bis 31.12.2030 | Umstellung auf SAP ERP, Private Edition, als Voraussetzung für die Transition Option | Relevant nur für sehr große, komplexe Systemlandschaften |
| 2031 bis 2033 | SAP ERP, Private Edition, Transition Option mit Aufpreis | Laut SAP keine Wartungsverlängerung, sondern Übergangsangebot |
| bis Ende 2040 | Wartungszusage für SAP S/4HANA | Planungssicherheit für das Zielsystem |
Ihre vier Optionen nach 2027
1. Jetzt auf SAP S/4HANA umsteigen
Der direkte Weg. Sie planen die Migration so, dass der Go-Live vor oder kurz nach dem Stichtag liegt, und nutzen bei Bedarf ein Jahr Extended Maintenance als Sicherheitsnetz. Welcher Migrationsweg passt, Greenfield, Brownfield oder Selective Data Transition, hängt von Prozessen, Datenqualität und Zielen ab. Eine erste Einschätzung liefert unser kostenloser Migrationsweg-Finder, die Grundlagen erklärt unser Beitrag zu Brownfield und Greenfield.
2. Extended Maintenance als bewusster Puffer
Die Extended Maintenance von 2028 bis 2030 kostet zwei Prozentpunkte zusätzlich auf die bestehende Wartungsbasis. Sie ist sinnvoll, wenn Sie ein Projekt bereits gestartet haben und Ihren Go-Live nicht unter Termindruck setzen wollen. Sie ist keine Strategie, wenn sie nur eine Entscheidung vertagt. Dann zahlen Sie mehr und starten später, wenn viele andere Unternehmen gleichzeitig erfahrene Berater und Implementierungspartner suchen.
3. Customer Specific Maintenance
Wer bis Ende 2027 keine Extended Maintenance vereinbart, wechselt laut SAP automatisch in die Customer Specific Maintenance. Die Gebühren bleiben gleich, die Leistung schrumpft auf die Lösung bereits bekannter Probleme. Für ein ERP-System, das Rechnungen, Lagerbestände und Produktion steuert, ist das für die meisten Mittelständler kein tragfähiger Dauerzustand.
4. SAP ERP, Private Edition, Transition Option
SAP bietet zusätzlich ein zeitlich begrenztes Subskriptionsangebot für die größten und komplexesten ERP-Kunden an. Die Systeme müssen bis spätestens 31. Dezember 2030 auf SAP ERP, Private Edition, auf SAP HANA umgestellt sein. Die Nutzung ist von 2031 bis 2033 möglich, mit Aufpreis und einer Mindestgröße von 2 TB je System. SAP betont selbst, dass es sich nicht um eine Wartungsverlängerung handelt. Für die meisten mittelständischen Unternehmen ist diese Option deshalb kein realistischer Plan B.
Was die Geschäftsführung jetzt entscheiden muss
Das Wartungsende ist kein IT-Thema, das sich an die Systembetreuung delegieren lässt. Es berührt Budget, Organisation und Prozesse. Diese Fragen sollten auf Ebene der Geschäftsführung beantwortet sein:
- Zieltermin: Wann soll S/4HANA produktiv sein, und wie viel Puffer über Extended Maintenance ist eingeplant?
- Ambition: Technische Umstellung oder Neuausrichtung der Prozesse? Das entscheidet über Aufwand und Nutzen.
- Migrationsweg: Greenfield, Brownfield oder Selective Data Transition auf Basis von Fakten, nicht von Vorlieben.
- Betriebsmodell: On-Premise, Private Cloud oder ein Paket wie RISE with SAP. Unser Vergleich RISE with SAP vs. GROW with SAP hilft bei der Einordnung.
- Budget: Realistische Kostenblöcke statt einer Einmalzahl. Einen Überblick gibt unser Beitrag zu den Kosten der S/4HANA-Migration.
- Kapazität: Welche Key User und Fachbereichsleiter stehen wie viele Tage pro Woche zur Verfügung?
- Steuerung: Wer führt das Projekt auf Kundenseite, unabhängig vom Implementierungspartner?
Rückwärts gerechnet: warum 2027 knapper ist, als es klingt
Ein S/4HANA-Projekt besteht nicht nur aus der Realisierung. Davor liegen die Klärung von Zielbild, Prozessen und Anforderungen, die Auswahl des Implementierungspartners und die Vertragsverhandlung. Danach folgen Integrationstests, Abnahmetests, Datenmigration, Cutover und Hypercare. Jede dieser Etappen braucht Zeit und die Mitarbeit der Fachbereiche, die parallel das Tagesgeschäft stemmen.
Zum Vergleich: Allein die Phase 0 bei unserem Kunden Reico dauerte vier Monate. Sie umfasste Projektplanung, Ist- und Soll-Prozessanalyse, ERP-Anforderungen und Enterprise Architecture. Erst danach begann die Partnerauswahl. Wer heute noch keinen Partner und kein Lastenheft hat, wird den Stichtag Ende 2027 kaum ohne Puffer erreichen. Umso wichtiger ist, dass die Zeit bis dahin für eine saubere Vorbereitung genutzt wird und nicht für vertagte Entscheidungen.
Typische Denkfehler beim ECC-Wartungsende
- „Wir verlängern einfach die Wartung.“ Die Extended Maintenance kauft Zeit, löst aber keine einzige Projektfrage und endet Ende 2030.
- „Das ist ein technisches Upgrade.“ Auch eine Brownfield-Konvertierung verändert Datenmodell, Oberflächen und Prozesse. Ohne Fachbereich und Tests wird es teuer.
- „Der Implementierungspartner plant das schon.“ Der Partner plant seine Lieferung. Ihre Interessen bei Scope, Budget und Qualität vertritt nur eine Steuerung auf Ihrer Seite.
- „Testen machen wir am Ende.“ Ein Go-Live ist kein Test. Ein strukturiertes Testmanagement gehört von Anfang an in den Plan.
Praxis aus unseren Projekten
W+W begleitet SAP- und ERP-Projekte seit über 30 Jahren konsequent auf Kundenseite. Mehr als 50 Projekte haben wir produktiv gesetzt, bei einer Go-Live-Quote von 100 Prozent. Drei Beispiele zeigen, worauf es vor einer S/4HANA-Entscheidung ankommt:
- RWZ AG: Die anstehende S/4HANA-Einführung war Anlass, die Energielogistik in fünf Regionen neu aufzustellen. Ergebnis: ROI nach zwei Jahren und eine um ein bis zwei Tage schnellere Rechnungsstellung. Zur Fallstudie RWZ.
- Reico: Eine viermonatige Phase 0 legte Prozesse und Anforderungen fest. Die anschließenden Fit-Gap-Workshops liefen dadurch deutlich schneller. Zur Fallstudie Reico.
- Suzuki Deutschland: Bevor über ein globales SAP-Template entschieden wurde, entstand ein vollständiges Prozesshaus. So wurde transparent, wo lokale Anpassungen nötig sind. Zur Fallstudie Suzuki.
Mehr zu unserem Vorgehen finden Sie auf unserer Seite SAP/ERP by W+W und im Leitfaden zur S/4HANA-Migration.
Häufige Fragen
Wann genau endet die Wartung für SAP ECC?
Die Mainstream-Wartung für SAP ECC 6.0 endet am 31. Dezember 2027. Sie gilt für die drei neuesten Enhancement Packages. Danach können Unternehmen eine Extended Maintenance bis Ende 2030 gegen zwei Prozentpunkte Aufschlag auf die Wartungsbasis buchen. Ohne diese Vereinbarung wechseln sie automatisch in die Customer Specific Maintenance.
Läuft SAP ECC nach 2027 einfach weiter?
Ja, das System schaltet sich nicht ab. Ohne Extended Maintenance erhalten Sie aber nur noch Customer Specific Maintenance, also Lösungen für bereits bekannte Probleme. Neue Korrekturen und gesetzliche Anpassungen sind damit nicht mehr im gewohnten Umfang gesichert. Für ein zentrales ERP-System steigt das Betriebsrisiko dadurch mit jedem Jahr.
Lohnt sich die Extended Maintenance bis 2030?
Sie lohnt sich als Puffer für ein bereits laufendes oder fest geplantes S/4HANA-Projekt, weil sie Termindruck aus dem Go-Live nimmt. Als Ersatz für eine Entscheidung lohnt sie sich nicht: Sie zahlen höhere Wartungsgebühren und verschieben das Projekt in eine Phase, in der viele Unternehmen gleichzeitig umstellen müssen.
Ist die Transition Option bis 2033 eine Lösung für den Mittelstand?
Meist nicht. SAP richtet die SAP ERP, Private Edition, Transition Option an die größten und komplexesten Kunden. Voraussetzungen sind unter anderem die Umstellung auf SAP HANA in der Private Edition bis Ende 2030 und eine Mindestgröße von 2 TB je System. SAP bezeichnet sie ausdrücklich nicht als Wartungsverlängerung.
Womit sollten wir beginnen, wenn wir noch nichts geplant haben?
Beginnen Sie mit einer strukturierten Vorbereitung: Zielbild, Prozesslandkarte, priorisierte Anforderungen und eine erste Einschätzung des Migrationswegs. Darauf bauen Partnerauswahl und Budget auf. Ein unabhängiger Blick von außen hilft, realistische Termine zu setzen, bevor Verträge unterschrieben sind und der Spielraum kleiner wird.
Fazit: Entscheiden Sie selbst, bevor die Frist entscheidet
Das ECC-Wartungsende Ende 2027 ist bekannt, die Optionen danach sind begrenzt und kosten entweder Geld oder Sicherheit. Wer jetzt Zieltermin, Migrationsweg, Betriebsmodell und Steuerung klärt, wählt Partner und Zeitpunkt selbst. Wer wartet, migriert unter Druck. Wenn Sie wissen möchten, wo Ihr Unternehmen steht und welcher nächste Schritt sinnvoll ist, sprechen Sie mit uns: Vereinbaren Sie ein kostenloses Erstgespräch mit Dr. Joachim Weinbrecht. Läuft Ihr Projekt bereits und Sie sind unsicher, ob der Plan hält, gibt Ihnen unser Krisencheck in zwei Minuten eine erste Einschätzung.
Quellen
- SAP News Center: SAP gibt erweiterte Innovationszusage für SAP S/4HANA und bietet Klarheit und Wahlmöglichkeiten für SAP Business Suite 7 (4. Februar 2020)
- SAP Support Portal: Maintenance Strategy SAP S/4HANA and SAP Business Suite 7
- SAP News Center: Neues Angebot für komplexe Umstellungen mit RISE with SAP (4. Februar 2025)
- SAP News Center: Den Umstieg mit RISE with SAP meistern: Updates zur SAP ERP, Private Edition, Transition Option (29. September 2025)
Weiterführend: Was kostet eine SAP S/4HANA-Migration? Kostenfaktoren & Budgetplanung · Glossar: ERP-Modernisierung