Der Countdown zur SAP ECC-Wartungsabkündigung Ende 2027 läuft. Mittelständische Unternehmen zwischen 200 und 5.000 Mitarbeitern stehen jetzt vor der Frage, wie sie den Sprung auf SAP S/4HANA ohne Budgetexplosion und Stillstand schaffen. Die Antwort liegt nicht im Projekt selbst, sondern in der Vorbereitung. Wer Prozesse vor der Migration datenbasiert analysiert, spart später Zeit, Geld und Nerven. Genau hier setzt Process Mining vor der SAP S/4HANA-Migration an.
Warum die meisten S/4HANA-Projekte zu teuer werden
Viele Migrationsprojekte im Mittelstand scheitern nicht an der Technik. Sie scheitern an unklaren Prozessen. Fachbereiche beschreiben ihren Ist-Zustand so, wie er im Handbuch steht. Die Realität sieht meist anders aus. Workarounds, Sonderfälle und undokumentierte Varianten kommen erst im Test oder nach dem Go-Live ans Licht.
Die Folge: Scope-Änderungen, längere Testzyklen und zusätzliche Beraterkosten. Studien zu Brownfield- und Greenfield-Projekten zeigen, dass Unternehmen mit strukturierter Landschaftsbewertung Scope-Konflikte in Wochen statt Monaten lösen. Ohne diese Analyse kann ein Mittelständler leicht 20 bis 30 Prozent mehr Projektbudget einplanen.
Was Process Mining im Migrationsumfeld leistet
Process Mining liest tatsächliche Prozessdaten aus dem bestehenden SAP ECC oder Drittsystemen. Aus Buchungsspuren, Zeitstempeln und Belegen entsteht ein objektives Bild davon, wie Prozesse wirklich ablaufen. Tools wie Celonis, SAP Signavio Process Intelligence oder ARIS PPM visualisieren Abweichungen, Wartezeiten und Schleifen.
Für die S/4HANA-Migration liefert das drei konkrete Informationen. Erstens: Welche Prozessvarianten gibt es wirklich? Zweitens: Welche Customizings sind noch produktiv genutzt und welche Altlasten können weg? Drittens: Wo entstehen heute die größten Ineffizienzen, die im neuen System direkt behoben werden sollten?
Die Migrationsstrategie datenbasiert wählen
Brownfield, Greenfield oder Selective Data Transition? Diese Entscheidung fällt in vielen Mittelstandsprojekten aus dem Bauch heraus. Process Mining liefert die Faktenbasis.
Bei hoher Prozessreife und wenig Abweichung vom Standard ist der Brownfield-Ansatz (System Conversion) meist der schnellste Weg. Zeigt die Analyse aber, dass kritische Prozesse stark abweichen oder viele Altvarianten im System stecken, lohnt sich ein Greenfield. Bei einem gemischten Bild ist die Selective Data Transition oft die wirtschaftlich sinnvollste Option, weil funktionierende Bereiche erhalten bleiben und nur kritische Prozesse neu aufgesetzt werden.
Diese Entscheidung ist im Mittelstand besonders wichtig, weil Ressourcen knapp sind. Ein falsch gewählter Ansatz kann Monate kosten, die bis zur ECC-Abkündigung fehlen.
Konkrete Einsatzfelder für den Mittelstand
In der Praxis liefert Process Mining entlang mehrerer Kernprozesse sofort nutzbare Ergebnisse. Im Bestellprozess (Procure-to-Pay) decken Analysen typischerweise zahlreiche manuelle Änderungen an freigegebenen Bestellungen auf. Im Auftragsabwicklungsprozess (Order-to-Cash) werden Lieferrückstände und Preisabweichungen sichtbar, die sonst nur anekdotisch bekannt sind.
Auch im Finanz- und Instandhaltungsumfeld lohnt sich die Analyse. In der Buchhaltung lassen sich Ausnahmen im Kontierungsprozess erkennen. In der Produktion werden Engpässe und Übergabeprobleme zwischen Systemen messbar. Alle diese Erkenntnisse fließen direkt in das Zielbild für S/4HANA ein.
Der Fahrplan: Von der Analyse zur Migration
Ein realistischer Fahrplan für ein mittelständisches Unternehmen umfasst vier Schritte.
1. Scoping und Datenextraktion: Wählen Sie zwei bis vier Kernprozesse mit hohem Business-Impact aus. Extrahieren Sie die relevanten Tabellen aus dem SAP ECC. Die technische Anbindung ist in wenigen Wochen machbar.
2. Ist-Analyse: Visualisieren Sie die Prozessvarianten und bewerten Sie Häufigkeit, Durchlaufzeit und Kosten. Identifizieren Sie Standardabweichungen, die durch S/4HANA-Standard abgelöst werden können.
3. Soll-Design und Business Case: Leiten Sie aus den Erkenntnissen konkrete Anforderungen für die Migration ab. Verknüpfen Sie diese mit dem klassischen Anforderungsmanagement, zum Beispiel über ein strukturiertes Lastenheft. Der Business Case für S/4HANA wird damit belastbar.
4. Migration und kontinuierliches Monitoring: Nutzen Sie Process Mining nach dem Go-Live weiter, um Abweichungen vom Soll-Prozess frühzeitig zu erkennen. So sichern Sie den Clean-Core-Gedanken langfristig ab.
Fazit: Jetzt Transparenz schaffen
Mittelständische Unternehmen, die 2026 noch nicht mit der S/4HANA-Vorbereitung gestartet sind, verlieren mit jeder Woche Handlungsspielraum. Process Mining ist kein Luxus für Großkonzerne. Es ist ein pragmatisches Werkzeug, um fundierte Entscheidungen zu treffen und das Projektbudget unter Kontrolle zu halten.
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