Wenn Anwender im Mittelstand über SAP klagen, geht es selten um fehlende Funktionen, sondern fast immer um die Bedienung. Genau hier setzt SAP Fiori an: die moderne, rollenbasierte Oberfläche von SAP S/4HANA. SAP Fiori löst die vertraute, aber technisch in die Jahre gekommene SAP GUI ab und verändert grundlegend, wie Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter täglich mit dem ERP-System arbeiten. In diesem Beitrag erklären wir, was hinter Fiori steckt, welche Vorteile die Oberfläche bietet und worauf Sie bei der Einführung achten sollten.
Was ist SAP Fiori?
SAP Fiori ist das Design- und Bedienkonzept, das SAP für seine moderne Software-Generation entwickelt hat. Technisch basiert Fiori auf Web-Standards wie HTML5 und dem SAP-eigenen UI-Framework SAPUI5. Statt vieler tausend generischer Transaktionen, wie sie die klassische SAP GUI kennt, bündelt Fiori einzelne Aufgaben in klar abgegrenzten, aufgabenorientierten Anwendungen – den sogenannten Fiori Apps.
Der zentrale Einstiegspunkt ist das Fiori Launchpad: eine personalisierbare Startseite mit Kacheln, die dem angemeldeten Nutzer nur die Apps und Kennzahlen zeigt, die zu seiner Rolle gehören. Ein Einkäufer sieht andere Kacheln als ein Buchhalter oder ein Lagermitarbeiter. Diese Rollenorientierung ist einer der wichtigsten Unterschiede zur alten Welt, in der jeder Anwender im Prinzip dasselbe, überladene Menü vor sich hatte.
Warum die klassische SAP GUI an ihre Grenzen stößt
Die klassische SAP GUI hat Generationen von Unternehmen zuverlässig begleitet. Für die Anforderungen moderner Arbeitsplätze ist sie jedoch nicht mehr gemacht. Sie ist an den Desktop gebunden, wenig intuitiv und erfordert oft Schulungen, bis neue Mitarbeitende Transaktionscodes und Bildschirmmasken beherrschen. In einer Zeit, in der Beschäftigte intuitive Apps aus dem privaten Umfeld gewohnt sind, wird diese Lernkurve zunehmend zum Akzeptanzproblem.
Hinzu kommt: Mit dem Umstieg auf SAP S/4HANA rückt Fiori stärker in den Mittelpunkt. Viele neue Funktionen und Innovationen bietet SAP ausschließlich oder bevorzugt als Fiori Apps an. Wer die klassische Oberfläche beibehält, nutzt sein S/4HANA-System nur zu einem Teil seines Potenzials.
Die Designprinzipien hinter SAP Fiori
Fiori folgt fünf Gestaltungsprinzipien, die SAP klar definiert hat. Sie erklären, warum sich die Oberfläche im Alltag anders anfühlt als das gewohnte SAP:
- Rollenbasiert: Jeder Anwender sieht genau die Apps und Informationen, die er für seine Aufgabe braucht.
- Aufgabenorientiert: Statt komplexer Transaktionen bildet eine App genau einen klar umrissenen Arbeitsschritt ab.
- Responsiv: Dieselbe App funktioniert auf Desktop, Tablet und Smartphone, ohne dass eine eigene Version entwickelt werden muss.
- Einfach: Die Oberfläche konzentriert sich auf das Wesentliche und reduziert unnötige Komplexität.
- Konsistent: Alle Apps folgen denselben Gestaltungsregeln, sodass Anwender sich in neuen Apps sofort zurechtfinden.
SAP Fiori Apps: Welche Typen es gibt
Nicht jede Fiori App erfüllt denselben Zweck. SAP unterscheidet grundsätzlich drei Arten von Anwendungen. Transaktionale Apps dienen der Ausführung von Vorgängen, etwa dem Anlegen einer Bestellung oder dem Freigeben einer Rechnung. Analytische Apps liefern Kennzahlen und Auswertungen in Echtzeit und nutzen die In-Memory-Technologie von SAP HANA, um große Datenmengen unmittelbar aufzubereiten. Fact-Sheet-Apps schließlich zeigen kompakte Übersichten zu einzelnen Geschäftsobjekten wie einem Kunden, einem Material oder einem Lieferanten und verlinken zu zusammenhängenden Informationen.
Für die Entwicklung eigener Anwendungen stellt SAP zusätzlich das Framework Fiori Elements bereit. Damit lassen sich standardisierte Apps weitgehend ohne aufwendige Programmierung erzeugen, was Aufwand und Wartung im Rahmen einer sauberen Systemarchitektur deutlich reduziert.
Was SAP Fiori für die S/4HANA-Nutzung im Mittelstand verändert
Der praktische Nutzen von Fiori zeigt sich vor allem in drei Bereichen. Erstens sinkt der Schulungsaufwand: Weil die Apps intuitiv aufgebaut sind und sich an gewohnten Bedienmustern orientieren, finden sich neue Mitarbeitende schneller zurecht. Zweitens steigt die Produktivität, da Anwender nicht mehr durch überladene Menüs navigieren, sondern zielgerichtet die App für ihre Aufgabe öffnen. Drittens verbessert sich die Datenqualität, weil Eingaben stärker geführt und Plausibilitäten direkt geprüft werden.
Gerade im Mittelstand, wo IT-Ressourcen knapp sind und die Akzeptanz der Belegschaft über den Projekterfolg entscheidet, ist dieser Effekt nicht zu unterschätzen. Eine moderne Oberfläche ist kein kosmetisches Detail, sondern ein wesentlicher Hebel dafür, dass eine S/4HANA-Investition im Tagesgeschäft tatsächlich Wirkung entfaltet. Wer parallel über Betriebsmodelle nachdenkt, findet in unserem Überblick zu RISE with SAP für den Mittelstand ergänzende Orientierung.
SAP Fiori einführen: Worauf Sie achten sollten
Der Wechsel auf Fiori ist kein reines Technikthema, sondern ein Vorhaben, das Prozesse, Rollen und Menschen berührt. Bewährt hat sich ein rollenbasierter Zuschnitt: Legen Sie fest, welche Nutzergruppen es gibt und welche Apps diese wirklich benötigen. Ein überfrachtetes Launchpad verfehlt den Zweck von Fiori ebenso wie eine unveränderte GUI. Achten Sie außerdem darauf, den Standard so weit wie möglich zu nutzen und Anpassungen im Sinne eines Clean-Core-Ansatzes gering zu halten – das erleichtert künftige Updates erheblich.
Wie bei jedem SAP-Vorhaben gilt: Eine saubere Vorbereitung entscheidet über den Erfolg. Fragen der Oberfläche, der Rollen und der Anwenderakzeptanz gehören früh auf die Agenda, idealerweise bereits in der Konzeptphase. Unterstützung bei der intelligenten Weiterentwicklung Ihrer Prozesse bietet unser Angebot KI by W+W, das moderne Oberflächen und datengetriebene Automatisierung zusammendenkt.
Fiori Launchpad und Fiori Elements: das Zusammenspiel
Um SAP Fiori im Unternehmen wirksam zu verankern, lohnt ein Blick auf zwei Bausteine, die häufig verwechselt werden. Das Fiori Launchpad ist die Laufzeitumgebung – die Startseite, über die Anwender ihre Apps aufrufen, personalisieren und durchsuchen. Es sorgt für ein einheitliches Nutzererlebnis über alle Anwendungen hinweg und lässt sich zentral über Rollen und Kataloge steuern. Fiori Elements dagegen ist ein Entwicklungsansatz: ein Baukasten, mit dem sich Standard-Apps auf Basis von Metadaten erzeugen lassen, ohne jede Bildschirmmaske einzeln zu programmieren.
Für den Mittelstand hat dieses Zusammenspiel einen konkreten Vorteil. Anpassungen und Erweiterungen entstehen nach denselben Regeln wie der Standard, bleiben dadurch updatefähig und verursachen langfristig weniger Wartungsaufwand. Genau das ist die Grundidee eines Clean-Core-Ansatzes, bei dem der digitale Kern möglichst nah am SAP-Standard bleibt und Erweiterungen sauber ausgelagert werden.
Fazit: Fiori ist das Gesicht von S/4HANA
SAP Fiori ist weit mehr als ein optisches Facelift. Die Oberfläche verändert, wie Anwender mit S/4HANA arbeiten, senkt Einstiegshürden und macht das Potenzial moderner ERP-Prozesse im Alltag nutzbar. Für mittelständische Unternehmen, die auf S/4HANA umsteigen, ist eine durchdachte Fiori-Strategie deshalb ein zentraler Erfolgsfaktor – und keine Frage, die man auf die letzte Projektphase verschieben sollte.
Sie planen den Umstieg auf S/4HANA oder möchten Ihre Fiori-Oberfläche optimal auf Ihre Rollen zuschneiden? Nehmen Sie Kontakt mit uns auf – wir unterstützen Sie von der Konzeption bis zum Go-Live.
Häufige Fragen
Häufige Fragen zu SAP Fiori
Was ist der Unterschied zwischen SAP Fiori und SAP GUI?
Die SAP GUI ist die klassische Desktop-Oberfläche, in der Anwender über Transaktionscodes und umfangreiche Menüs arbeiten. SAP Fiori ist das webbasierte, rollenbasierte Bedienkonzept von SAP S/4HANA. Anwender sehen im Fiori Launchpad nur die Apps ihrer Rolle, und jede App bildet einen klar umrissenen Arbeitsschritt ab, auf Desktop, Tablet und Smartphone.
Welche Arten von SAP Fiori Apps gibt es?
SAP unterscheidet drei Grundtypen. Transaktionale Apps führen Vorgänge aus, etwa das Anlegen einer Bestellung oder die Freigabe einer Rechnung. Analytische Apps zeigen Kennzahlen in Echtzeit auf Basis von SAP HANA. Fact-Sheet-Apps bieten kompakte Übersichten zu Geschäftsobjekten wie Kunde, Material oder Lieferant und verlinken auf zusammenhängende Informationen.
Was ist das SAP Fiori Launchpad?
Das Fiori Launchpad ist der zentrale Einstiegspunkt in SAP Fiori. Als personalisierbare Startseite mit Kacheln zeigt es dem angemeldeten Nutzer genau die Apps und Kennzahlen, die zu seiner Rolle gehören. Gesteuert wird es zentral über Rollen, Kataloge und Spaces, sodass zum Beispiel ein Einkäufer andere Kacheln sieht als ein Buchhalter.
Auf welcher Technik basiert SAP Fiori?
SAP Fiori basiert auf Web-Standards wie HTML5 und dem SAP-eigenen UI-Framework SAPUI5. Die Apps kommunizieren über OData-Services mit dem Backend, etwa mit SAP S/4HANA. Für eigene Anwendungen stellt SAP mit Fiori Elements einen Baukasten bereit, der Standard-Apps auf Basis von Metadaten erzeugt und so Entwicklungs- und Wartungsaufwand reduziert.
Worauf sollte der Mittelstand bei der Fiori-Einführung achten?
Entscheidend ist ein rollenbasierter Zuschnitt: Legen Sie fest, welche Nutzergruppen es gibt und welche Apps diese tatsächlich benötigen. Nutzen Sie den SAP-Standard so weit wie möglich und halten Sie Anpassungen im Sinne eines Clean-Core-Ansatzes gering. Planen Sie Rollen, Oberfläche und Anwenderakzeptanz bereits in der Konzeptphase ein, nicht erst kurz vor dem Go-Live.