Anforderungen aus Workshops, Lastenheften und E-Mails landen in der Praxis oft in Excel-Dateien, Confluence-Seiten und Notizbüchern. Bei SAP-Projekten mit hunderten Anforderungen wird das schnell zum Risiko: Dopplungen bleiben unentdeckt, Klassifizierungen sind uneinheitlich, und der Bezug zu SAP-Standard oder Eigenentwicklung geht verloren. Mit require stellt die W+W Consulting GmbH eine SaaS-Plattform bereit, die genau diese Lücke schließt und das Anforderungsmanagement mit künstlicher Intelligenz verbindet.
Was ist require?
require ist eine cloudbasierte Plattform für das Anforderungsmanagement in SAP-Transformationsprojekten. Sie deckt den gesamten Lebenszyklus einer Anforderung ab: von der Erhebung im Workshop über die Klassifizierung und Bewertung bis zur Umsetzung im Projekt. Die Plattform ist über die Domain require.tec360.io erreichbar und wird ausschließlich als SaaS angeboten.
Der Mehrwert liegt in der Kombination aus klassischer Requirements-Engineering-Funktionalität, KI-Unterstützung und einer engen Verzahnung mit der SAP-Activate-Methodik. Anforderungen werden in den Activate-Phasen Discover, Prepare, Explore, Realize, Deploy und Run abgebildet. Phasen-Deliverables, Status und Aufwände bleiben damit jederzeit nachvollziehbar.
Funktionsumfang im Überblick
Im Zentrum von require steht der Anforderungskatalog. Jede Anforderung erhält eine eindeutige Nummer, eine Kurzbeschreibung, eine Detailbeschreibung mit Rich-Text, Akzeptanzkriterien sowie Angaben zur Quelle (RFP, RFI, Workshop, Betriebsrundgang). Die Klassifizierung erfolgt nach Workstream (etwa Logistik, Finanzen, Einkauf, QM), Kategorie (Business, Prozess, Stammdaten, Schnittstellen, Berechtigungen, Reporting, Migration, Software) und SAP-Standard-Einordnung.
Daneben bietet die Plattform Module für Workshops, Traceability mit Abhängigkeitsgraph, eine Prozesslandkarte nach Führungs-, Kern- und Supportprozessen, ein Glossar sowie ein konfigurierbares Dashboard. Eine Kanban-Ansicht erleichtert tägliche Stand-ups, der Excel- und ALM-Export sichert die Anschlussfähigkeit an bestehende Tools.
KI-Funktionen mit echtem Praxisnutzen
require nutzt den Microsoft Azure OpenAI Service in einer EU-Region. Die KI-Funktionen sind dort eingebettet, wo sie messbar Zeit sparen:
- Klassifizierungsvorschläge: Beim Erfassen einer Anforderung schlägt die KI passende Workstreams, Kategorien und die SAP-Standard-Einordnung vor. Die finale Entscheidung bleibt beim Anwender.
- Duplikat-Erkennung: Vor dem Speichern prüft die Plattform per semantischer Suche, ob eine ähnliche Anforderung bereits existiert.
- Akzeptanzkriterien-Generator: Aus der Beschreibung entstehen messbare Kriterien im Given-When-Then-Format.
- Workshop-Extraktion: Transkripte werden in Anforderungen, Entscheidungen und offene Punkte zerlegt und können einzeln in den Katalog übernommen werden.
- KI-Import aus Dokumenten: Aus Ausschreibungs-PDFs und Word-Dokumenten extrahiert die KI Kandidaten für Anforderungen.
Wichtig für viele Mittelständler: Kundendaten werden nicht zum Training der Modelle verwendet. KI-Antworten kennzeichnet die Plattform als solche und gibt nach Möglichkeit Quellen aus der Wissensbasis an.
Wissensbasis mit RAG-Architektur
Eine Besonderheit von require ist die zweischichtige Wissensbasis. Die globale Schicht wird von W+W gepflegt und enthält SAP Best Practices aus zwei Jahrzehnten Beratung, branchenspezifische Knowledge Packs für Food, Automotive und MedTech, RICEFW-Vorlagen sowie Anforderungsvorlagen für typische Szenarien. Die kundenspezifische Schicht nimmt eigene Prozessdokumente, Organigramme, Workshop-Protokolle, Richtlinien und Glossare auf.
Technisch arbeitet require mit einer Retrieval-Augmented-Generation-Architektur. Dokumente werden in Chunks zerlegt, mit text-embedding-3-small in Vektoren überführt und in PostgreSQL mit pgvector abgelegt. Bei einer Anfrage findet die Plattform die semantisch passendsten Inhalte und übergibt sie an das Sprachmodell. Das Ergebnis: Antworten mit Quellenbezug, die zum eigenen Projektkontext passen.
Architektur, Datenschutz und Multi-Tenant-Betrieb
require ist eine Cloud-native Webanwendung auf Basis von Next.js, TypeScript und Prisma. Die Datenhaltung erfolgt in einer PostgreSQL-Instanz bei Neon in Frankfurt am Main, KI-Dienste laufen in der Region Germany West Central. TLS 1.3 verschlüsselt sämtliche Datenübertragungen.
Die Plattform ist mandantenfähig. Jede Kundenorganisation bildet einen eigenen Tenant mit eigenem Logo, Farbschema und eigener Wissensbasis. Die Trennung erfolgt über PostgreSQL Row-Level-Security-Policies, die bei jedem Zugriff die Tenant-Zuordnung prüfen. Berater, die für mehrere Kunden arbeiten, können per „Organisation wechseln“ zwischen Tenants navigieren, ohne dass Daten vermischt werden.
Das Rollenkonzept umfasst Tenant-Administrator, Projektleiter, Berater/Editor und Leser/Reviewer. Die Authentifizierung erfolgt per E-Mail und Passwort mit bcrypt-Hashing, eine Zwei-Faktor-Authentifizierung ist für eines der nächsten Releases vorgesehen.
Typische Einsatzszenarien
require eignet sich für vier Szenarien, die im SAP-Umfeld häufig vorkommen. Bei der Greenfield-Einführung von SAP S/4HANA begleitet die Plattform den Weg von der Workshop-basierten Erhebung über die Priorisierung bis zum finalen Lastenheft. Bei einer Brownfield-Migration unterstützt sie die Inventarisierung bestehender Customizings und die Dokumentation notwendiger Anpassungen.
Bei internationalen Rollouts dokumentiert require Abweichungen einzelner Länder oder Gesellschaften vom Konzern-Template. Auch nach dem Go-Live bleibt die Plattform sinnvoll: Change Requests, Hypercare-Themen und Optimierungen werden im gleichen System geführt, in dem die ursprünglichen Anforderungen entstanden sind.
Für wen require gedacht ist
Die Plattform richtet sich primär an Unternehmen aus Food, Automotive und MedTech sowie an weitere Mittelständler mit SAP-Einsatz. Innerhalb der Organisation profitieren Projektleiter, Fachbereichsleiter, Key-User, IT-Architekten und Anwendungsbetreuer gleichermaßen. Externe Berater erhalten über die Mehrfachzugehörigkeit zu Tenants Zugriff auf die Projekte ihrer Kunden, ohne dass Daten zwischen Mandanten fließen.
Fazit
Mit require stellt W+W eine Plattform bereit, die das oft fragmentierte Anforderungsmanagement in SAP-Projekten konsolidiert und mit KI gezielt entlastet. Klassifizierungsvorschläge, Duplikat-Erkennung, Akzeptanzkriterien und Workshop-Extraktion sparen Zeit, ohne die fachliche Verantwortung der Projektmitglieder zu ersetzen. Die enge Anbindung an SAP Activate, die zweischichtige Wissensbasis und der EU-Betrieb machen require zu einer praxistauglichen Wahl für mittelständische und größere SAP-Anwender im DACH-Raum.
Sie planen eine S/4HANA-Migration, einen Rollout oder strukturieren laufende Change Requests neu? Die Berater von W+W zeigen Ihnen require gerne in einer kurzen Demo und beraten Sie zur Einbettung in Ihre Projektmethodik. Mehr zu unserem Leistungsangebot finden Sie unter unsere Services.